Deutsche Kultur

Wir betreuen einen Studenten aus Nepal der hier an der FH studiert. Wir sind die deutsche Patenfamilie und sollen ihm deutsche Lebensart und Kultur vermitteln. So stellt man sich ab und an die Frage was denn typisch deutsch ist. Mein Mann, Afrikaner, beantwortet ihm sehr gerne seine Fragen. Kürzlich hielt er einen Vortrag über die Gesetze hier, die es für alles und nichts gibt. Wichtig erschien ihm dann vor allem die Mitteilung, dass man hier weder Kinder, noch Frauen, noch Tiere schlagen dürfe. Eine lange Erklärung gab es auch über die deutsche Unart  nicht zuzuhören. Da er immer vom Stöckchen zum Ästchen und dann erst zum Bäumchen kommt und man dabei den Faden verliert, vergaß er zu bemerken. Amüsant fanden beide, wie Deutsche mit ihnen sprechen, wie zum Beispiel: „du gehen dort“. Beide kennen nun „Mahlzeit“ als Gruß zur Mittagspause und das schwäbische „Grüß Gott“ anstatt „Guten Tag“. Stündliches Glockenläuten finden sie seltsam. Haben die Leute hier denn keine Uhren? Neulich sollte ich die Sozialversicherungsnummer erklären. Für solche Fragen bin natürlich ich zuständig, mein Mann ist für Lohnabrechnung, Arbeitslosenversicherung etc pp nicht zu befragen, das ist ihm selbst noch ein Rätsel. Kochen ist mit beiden ein Abenteuer. Sie bekochen mich nämlich auch ab und an. Es müssen sehr große Töpfe sein und viel Zwiebeln und Knoblauch. Wird ja immer eher den Türken zugeschrieben, scheint aber überall beliebt zu sein. Der Student liebt noch Ingwer, mein Mann Erdnußpaste. Beide hauen viel scharfe Peperoni rein. Die Küche ist dann für Stunden belegt und Dampfschwaden ziehen durch die Wohnung, denn alles wird ewig auf höchster Stufe gegart und geköchelt. Aber es riecht köstlich und schmeckt trotz alledem immer lecker. Ich bin dann nur für den Kartoffelsalat zuständig, der immer dazu verlangt wird. Weihnachten lieben beide. Enten- oder Gänsebraten mit Knödeln und Rotkraut finden sie super. Natürlich muss es aber dazu noch Reis und Kartoffelsalat geben. Nach dem Festessen spielen wir „Mensch ärgere dich nicht“ Auch deutsches Kulturgut.  Alkohol steht nur beim Studenten hoch im Kurs. Alles wird probiert und scheint zu munden. Letztes Wochenende waren wir von der FH in ein Hopfenmuseum eingeladen. Wir wohnen ja in einer Hopfenanbaugegend. Zuerst mussten wir wandern. Das lieben die Deutschen wohl, meinten die Studenten. Dann gab es einen Vortrag über Hopfen und Malz und danach ein schwäbisches Vesper. Saurer Käs und Wurschtsalat. War bestimmt Neuland für deren Geschmacksnerven. Kässpätzle fand unserer auch befremdlich und hat es sich nie wieder gewünscht. Sonst essen sie ja eher „Döner“ da es satt macht und nicht teuer ist. Halten sie bestimmt auch für ein deutsches Gericht. Das Bier im Museum, das mochten alle. Frisch gezapft aus der hauseigenen Brauerei. Auch deutsches Kulturgut. Da habe ich ihm dann das Wort „Gemütlichkeit“ erklärt. Das wollte er auch wissen. Wir haben dann noch erklärt, dass wir sagen: da ist Hopfen und Malz verloren. Prost und zum Wohl, das kennen sie inzwischen alle. Demnächst werde ich ihn einmal fragen was er denn für typisch hält. Ich bin gespannt und werde berichten.  P1040828 P1050194 P1050236

Fotos: Sylvia Waldfrau

3 Gedanken zu “Deutsche Kultur

  1. „Die Küche ist dann für Stunden belegt und Dampfschwaden ziehen durch die Wohnung, denn alles wird ewig auf höchster Stufe gegart und geköchelt.“

    Das gehört nicht nur nur nepalesischen/ghanaesischen (oder wie das heißt) Kultur, sondern leider auch zur britischen. Ich kenn da einen, der köchelt stundenlang Tomatensoße … 😐

    Vielleicht was Männliches? 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Es steht danach nichts Schmutziges herum, er spült alles ab. Allerdings wird es dann 1-2 Tage zum Abtropfen auf der Spüle stehen gelassen. Damit auch wirklich sicher ist, dass auf dem Edelstahl aus jedem Tropfen ein Kalkfleck wird. Die haben in England halt keinen Kalk, und mit neuen Informationen tun sich manche Männer ja schwer … 😉

    Gefällt 1 Person

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