Sprachlos

Erstarrt und sprachlos sitzt man da, wenn die Worte nur noch ins Leere laufen, wenn Sprache als Waffe angesehen wird, jede Aussage, jede Information als Angriff wahrgenommen wird. Man wälzt die Sätze, versucht den eigenen Aussagen nachzuhören, versucht zu fühlen wie es ankommt, stellt immer wieder hilflos fest dass das Gegenüber nur Vorwürfe empfängt und sachliche Aussagen nicht mehr wahrnehmen will.

Aus Verzweiflung entsteht dann Wut. Wut ist aber nie ein guter Ratgeber. Die Stimme wird laut und lauter, es hallt in den eigenen Ohren. Die Worte werden hart und ungerecht und nun entstehen noch mehr Mißverständnisse, die Schranken schließen sich noch mehr.

Am Ende verstummt man und schweigt, wird still. Selbst ein „Hallo“ bleibt in der Kehle stecken. Man füllt den Bauch mit all den unausgesprochenen Worten. Man verweigert sich, umgeht Auseinandersetzungen und Gespräche. Im Kopf entsteht ein Stau, die Zähne zusammen gebissen wird man zur Zeitbombe. Es kostet unendlich viel Energie diese im Zaum zu halten.

Wenn diese platzt dann richtet sich die Macht der gesprochenen Sprache auch gegen dich und vernichtet alle Ansätze für eine positive Kommunikation.

Schlimm, wenn du keinen Weg mehr aus dieser Misere weißt.

P1020122

Fotos: Sylvia Waldfrau

10 Gedanken zu “Sprachlos

  1. Du hast etwas, was wohl jede Beziehung (welcher Art auch immer) gelegentlich durchmacht, brillant in Worte gefasst. Genauso ist es. Nur eins möchte ich korrigieren: „… Worte werden hart und ungerecht und nun entstehen noch mehr Mißverständnisse.“ Meist liegt etwas ganz anderes, tieferes hinter den harten Worten, und zwei Menschen verstehen das ganz genau. Die Wut, der Ärger, die Enttäuschung oder was auch immer ist kein Missverständnis, nur der Anlass zur Entladung ist oft so absurd.

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  2. gekämpft habe… ich habe es abgelegt… du hast mich gerade wieder an diese Gefühle erinnert und mir wurde bewusst, dass ich das nie mehr so erleben möchte…. für mich war es vor allem meine Hilflosigkeit in den jeweiligen Situationen, die ich kaum ertragen konnte!

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  3. Du zeigst überzeugend eine hilflose Situation, die vermutlich jeder schon erlebt hat, dass man in Konflikten rasch an die Grenze des Sagbaren stoßen kann, Wo sonst wohlmeinendes Verstehen ist, gibt es dann nur noch Missverstehen. Wir erleben die Wörter unserer Sprache als Hüllen, die von den Konfliktparteien beliebig mit Bedeutung aufgefüllt werden. Eigentlich ist es immer so, aber nur in Konflikten zeigt es sich so drastisch. Wo Wörter und Worte nicht mehr helfen, müssen gute Taten her.

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