Loslassen

Ich kann es nicht mehr hören und lesen. All die guten Ratschläge der sogenannten „Trennungsratgeber“. Selbst wenn man guten Willens ist eine Lösung zu finden, dann muss das  mit betroffene Gegenüber auch mitspielen wollen. Es sind immer ZWEI im Guten wie im Bösen.

Was tun, wenn sich der Betroffene den Teufel darum schert, wie man die Situation auflösen kann?  Wenn er nicht loslassen will, aus purer Bequemlichkeit kombiniert mit Sturheit?  Wenn er für keinerlei Informationen mehr zugänglich ist, überhaupt nicht mehr zuhört und man weiß, dass die Konsequenzen daraus vielleicht für ihn dann ein Schock sein werden. Dafür gibt es keine Ratgeber.

Man selbst verharrt dann in einer andauernden Situation, die man so nicht mehr ertragen will und kann. „Geduld“ wird einem angeraten. Aber die Nerven sind bis zum Zerreißen gespannt und das Warten geht an die Substanz. Nur wenige im Umfeld haben unaufgefordert Zeit und Geduld ein wenig mittragen zu wollen und etwas Ablenkung anzubieten. Denen, die einfach da sind, ist man dann sehr dankbar.

Ein ruhiges Vier-Augen-Gespräch, in dem der Trennungswillige seinem Partner seine Beweggründe offen erklärt, Rückfragen zulässt und einfühlsam und nicht verletzend antwortet, ist wohl die „idealste“ Art, sich zu trennen. Das las ich in einem Online-Ratgeber.

Ich mag so etwas nicht mehr lesen. Natürlich wäre das die beste Art sich zu trennen. Was aber wenn, egal was man sagt, das Gegenüber ablehnend reagiert?  Wenn die Mauern inzwischen so hoch geworden sind, dass man sogar schreiend nicht mehr  gehört wird?Wenn einer sich wie ein Maulwurf vergräbt und keinen Zentimeter mehr bewegt? Dann sitzt man erstarrt da und weiß keinen Weg heraus.

Zuletzt mag man eigentlich nicht mehr darüber reden, sich nicht einmal mehr Luft verschaffen, nicht mehr jammern. Nur noch einmal will ich, jetzt und hier, das Elend in Worte fassen und ins Universum schicken, damit ich nicht daran ersticke.

 

Wenn sich die
Wolken jemals
wieder aus ihrem
grauen Kostüm
befreien werden,
will ich Dich wissen lassen:
Ich habe Dich überstanden.

Claudia Mahlzahn

Foto: Sylvia Waldfrau

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Irland Erinnerung

Meine Tochter hat mich zu einer Erinnerungsreise eingeladen. Nach dem sie meine Berichte über Irland in meinem Blog verfolgte, meinte sie, dies sei ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und so waren wir, bevor ich krank wurde, in der Vorstellung von Rhythme and Dance:

Ryhthme

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Es war auch ein sehr schönes, stimmungsvolles Erlebnis und ich konnte einige Songs hören, die mich sehr an meine Zeit in Irland erinnerten. Und so fiel mir auf der Heimfahrt ein, wie wir in unserem Örtchen Eyeries einmal im Ballroom eine Tanzveranstaltung erlebten.

Der Baalsaal war altmodisch, verstaubt und wenig einladend. Alte Dielenbretter, wenige hochgelegene Fenster, schmucklos in braunen Tönen gehaltene Bretterwände. Am Ende des Saals gab es eine alte Holzbühne für die Musiker. Links und rechts entlang den Wänden waren lange Bänke aufgestellt. Ansonsten war der Raum eher kahl.

Aber die jungen Leute kamen voller Begeisterung und der Saal fühlte sich schnell.  Und nun staunten wir nicht schlecht, denn die Mädchen reihten sich alle links auf, während alle jungen Männer sich gegenüber auf die Bänke rechts niederließen und dadurch hatten sie die ganze Weite des Ballraums dazwischen. Die Band fing an zu spielen. Auf einmal rannten die Jungs los, durchstürmten den Saal um schnellstens als Erster bei ihrer Angebeteten zu sein und los ging das Tanzen. Damals wurde wirklich viel so ein Tanzstil wie bei der Vorführung getanzt. Wir fanden dieses Tanzen steif und fremd und  wir versuchten es dann natürlich auch und stellten fest, dass es ganz schön schwer ist. Gute Steptänzer gab es wenige, aber die stocksteife Haltung hatten alle im Repertoire. Das folgende Beispiel zeigt, dass auch die alten Leute noch so tanzen. (Bitte nicht lachen, es ist schon etwas kurios)

Nur einige wenige Mauerblümchen saßen dann noch einsam auf den Bänken. Ich fand das furchtbar für die Übriggebliebenen, die ganz offensichtlich unbehaglich versuchten tapfer und nicht traurig auszusehen. Auch ein paar schüchterne Jungs saßen einsam auf den Bänken und trauten sich nicht ein Mädchen aufzufordern. Es war für uns wie ein Ausflug in die Vergangenheit.

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