Stationen

In meinem Alter kann man schon einen Rückblick auf sein Leben wagen. Was waren wichtige Stationen im Leben, auf was kann man stolz sein, welche Erfahrungen waren wichtig.

Meine Kindheit war glücklich, dass legte den Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben. Die Jugend war sehr rebellisch, da erlangte ich Selbstbewusstsein und Mut und erlebte meine erste Liebe. Bevor ich aber in einem zu bürgerlichen Leben hängen zu bleiben drohte, machte ich mich auf den Weg.

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Meine Berufswahl hatte zwei große Vorteile. Ich konnte meine Leidenschaft, das Lesen ausleben und als Buchhändlerin hatte ich die Freiheit meinen Wohnort wählen zu können. Ich arbeitete dann in verschiedenen Städten. Das erweiterte meinen Horizont und ich bemerkte, man kann überall gute Freunde finden, wenn man offen ist.

Der Sprung in die Selbstständigkeit, zusammen mit meinem Lebensgefährten, brachte neue Erfahrungen, viele liebe Musikerfreunde und ein Haus in Irland. Ich entdeckte meine handwerklichen Fähigkeiten beim Aus- und Umbau unserer zwei Häuser und übernahm viel Verantwortung in unserer Firma. So lernte ich: Selbst ist die Frau.

Nach der Trennung wechselte ich in einen anderen Beruf, was mir bewies, man kann Vieles erlernen. In dieser Zeit reiste ich auch meist allein. Ich hatte nie Angst und so selbstbewusst wie ich war, machte ich auch keine schlechten Erfahrungen. Die Abenteuerlust steckte schon immer in mir und kam nun verstärkt zum Vorschein. Dann, mit einem  neuen Partner aus der Jazz-Szene entdeckte ich noch viele weitere Städte samt Clubs und Nachtleben und stellte fest dass das Leben ein herrliches, aber anstrengendes Abenteuer sein kann.

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Mit Anfang 30 lernte ich dann den Vater meiner Tochter kennen. Er, aufgewachsen in ländlicher Umgebung, entdeckte an meiner Seite eine andere Welt. Wir hatten eine gute Zeit zusammen, so lange wir uns außerhalb seines bisherigen Umfelds bewegten. Er schaffte aber den Absprung aus seiner sicheren aber einengenden Umgebung nicht. Wir trennten uns. Ich erkannte dass man niemanden ändern kann.

Kurz darauf fing ein neuer Lebensabschnitt an: die Geburt meiner Tochter. Vom Vater hatte ich mich getrennt, entschied mich für mein Kind, aber gegen eine Ehe. Dies war die einschneidendste Station meines Lebens. Vorher sehr gut verdienend, immer berufstätig, setzte ich nun aus, um für mein Kind da zu sein. Und es war eine wundervolle Zeit. Die kleinen, schönen Dinge standen nun im Vordergrund. Es war eine große Bereicherung für mich und voller Staunen sah ich das Heranwachsen eines neuen Lebens. Die Verantwortung stärkte mich. Zum Vater entstand eine friedliche Freundschaft, was mir für mein Kind sehr wichtig war. Ich entdeckte wieder, auch durch die Augen meiner Tochter, wie viel Freude man am Entdecken der Welt haben kann.

Nach der Erziehungszeit zog ich zurück in meine alte Heimatstadt und baute uns ein neues Leben auf. Zuerst unterstützt von meiner Mutter, brach, nach ihrem zu frühen Tod, die anstrengendste Zeit meines Lebens an. Kind und Arbeit unter einen Hut zu bringen war ein großer Kraftakt. Aber ich kann heute stolz sagen, dass ich diese Schwierigkeiten, auch dank guter Freundschaften, bewältigen konnte. Mein Fazit aus dieser Zeit: Man kann immer Lösungen finden.

Einige Jahre lebte ich recht zufrieden ohne Partner. Es fehlte an der Zeit und Kraft mich auf das Abenteuer einer neue Partnerschaft einzulassen. Durch Kind und liebevolle Freundschaften war mein Leben trotzdem erfüllt und abwechslungsreich. Meine Lehre daraus: Allein sein bedeutet nicht einsam zu sein. Später heiratete ich dann doch noch. In der Wahl meiner Ehen war ich dann aber nicht erfolgreich. Da hätte ich weiser sein können, aber dies ist ein Thema für sich. Vielleicht werden meine Erfahrungen einmal ein extra Beitrag, vielleicht auch nicht. Gerade bin ich wieder in der Trennungsphase und das ist keine leichte Zeit.

Seit letzten Herbst schreibe ich nun diesen Blog und freue mich über das Feedback und die lieben Kommentare. Mein Hobby, das Fotografieren und meine Erfahrungen kann ich nun teilen.

Ich, mit meinem Spielzeug

Meine Überzeugung schlussendlich ist: Ich kann wunderbar alleine leben und bin immer noch neugierig und gespannt darauf, was das Leben noch bringt. Man lernt nie aus, denn das Leben ist ein wundervolles Abenteuer.

Live

 

 

 

16 Gedanken zu “Stationen

  1. Ein Rückblick in großen Schritten, da bleibt bei so deinem bewegten und erfüllten Leben noch vieles zu erzählen. Zu deinen jeweiligen Resümees passt, was letztens Willi zitiert hat: “Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.” (S. Kierkegaard)

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  2. Heute morgen schon habe ich die Stationen deines Lebens gelesen und über den Tag verteilt noch einmal nachgelesen.
    Viele Neuanfänge und noch immer kein Stillstand – so soll es sein. So würde es sich für mich richtig anfühlen. Richtig und anstrengend ;). Aber das ist wohl der Preis für ein bewegtes und gelebtes Leben.
    Danke für diesen schönen Rück- und Einblick.

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  3. …hört sich nach einem schönen und interessanten Leben an und was wollen wir mehr als erfüllt sein von dem, was aus uns heraus gelebt wurde…das hast Du gut gemacht, würde ich sagen und bei einer solch lebendigen Vergangenheit warten bestimmt noch interessante und kreative Zeiten auf Dich…

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