Realität

Foto: Sylvia Waldfrau

 

Realität ist, was wir als wahr annehmen.
Was wir als wahr annehmen, ist was wir glauben.
Was wir glauben, basiert auf unseren Wahrnehmungen.
Was wir wahrnehmen, hängt davon ab, was wir suchen.
Was wir suchen, hängt davon ab, was wir wahrnehmen.
Was wir wahrnehmen, bestimmt, was wir glauben.
Was wir glauben, bestimmt, was wir für wahr halten.
Was wir für wahr halten, ist unsere Realität.

Gary Zukav

 

bewölkt

Il est trop tard/ Es ist zu spät

Fotos: Sylvia Waldfrau

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Während ich schlief, während ich träumte
die Uhrzeiger haben sich gedreht, es ist zu spät
meine Kindheit ist so lange her, es ist schon morgen
Zeit, vergehe, vergehe, es wird nicht mehr lange dauern
während ich dich liebte, während ich dich dich hatte
ging die Liebe davon, es ist zu spät
Du warst so schön, ich bin allein in meinem Bett
Zeit, vergehe, vergehe, es wird nicht mehr lange dauern
während ich meine liebe Freiheit besang
haben andere sie gefesselt, es ist zu spät
einige haben gekämpft, ich habe das nie gekonnt
Zeit, vergehe, vergehe, es wird nicht mehr lange dauern
Jedoch lebe ich immer noch, mache immer noch Liebe
ich singe manchmal sogar zu meiner Gitarre
für das Kind, das ich war, für das Kind, das ich gemacht habe
Zeit, vergehe, vergehe, es wird nicht mehr lange dauern
Während ich sang, während ich dich liebte,
während ich träumte, war noch Zeit

Meine Freiheit / Ma Liberté

Foto: Sylvia Waldfrau

Meine Freiheit,
Lange habe ich Dich bewahrt,
Wie eine kostbare Perle
Meine Freiheit,
Du warst es, die mir geholfen hat,
Meine Fesseln abzustreifen
Um wegzugehen, egal wohin,
Um bis zum Ende
Der Wege des Schicksals zugehen,
Um im Traum
Eine Windrose
Auf einem Mondstrahl zu pflücken.

Meine Freiheit,
Vor Deinem Willen
Hatte sich meine Seele zu Boden geworfen,
Meine Freiheit,
Alles habe ich dir gegeben,
Mein letztes Hemd.
Und was habe ich alles erlitten
Um all DeineForderungen
Erfüllen zu können:
Ich habe das Land verlassen,
Ich habe meine Freunde verloren,
Um Dein Vertrauen zu gewinnen.

Meine Freiheit,
Du hast gewußt,
Wie Du meine noch so kleinen Gewohnheiten überlisten kannst,
Meine Freiheit,
Du hast es sogar geschafft,
Daß ich die Einsamkeit liebe.
Du, die mich sogar zum Lächeln gebracht hast,
Wenn ein schönes Abenteuer zu Ende ging,
Du, die mich beschützt hast,
Wenn ich mich verstecken mußte,
Um meine Wunden zu lecken.

Meine Freiheit,
Trotzdem habe ich Dich verlassen
In einer Dezembernacht
Ich habe die bezeichneten Wege verlassen,
Die wir gemeinsam beschritten hatten.
Als ich, ohne mich vorzusehen,
Mit gefesselten Füßen und Fäusten
Fallengelassen habe.
Und ich habe Dich verraten
Für ein Gefängnis aus Liebe
Und seine schöne Wärterin

Georges Moustaki

Zwei Schnecken / Deux Escargots

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Zum Begräbnis eines toten
Blattes ziehn zwei Schnecken los
haben schwarz das Schneckenhäuschen
um die Fühler Trauerflor
Abmarsch in der Abendstunde
wunderschöner Herbstesabend
aber ach als sie am Ziele
ist bereits der Frühling da
Alle Blätter die gestorben
sind zum Leben auferstanden
und die beiden armen Schnecken
die sind überaus enttäuscht
Aber sieh da ist die Sonne
Sonne ja und sagt zu ihnen
Kinder macht euch doch die Mühe
setzt euch erst mal etwas hin
und genehmigt euch ein Bierchen
wenn das Herz euch danach steht
Oder je nach Lust und Laune
nehmt den Bus mal nach Paris
heute abend geht noch einer
da beseht ihr euch die Gegend
doch die Trauer die legt ab
Laßt euch das von mir gesagt sein
davon werden trüb die Augen
häßlich macht es obendrein
Auch sind solche Sarggeschichten
gar nicht nett und machen traurig
lieber zeigt die alten Farben
zeigt des Lebens Farben her
Und schon fangen alle Tiere
fangen Bäume an und Pflanzen
fangen alle an zu singen
singen sie aus vollem Halse
das lebendigste der Lieder
singen sie des Sommers Lied
Um die Wette wird getrunken
angestoßen um die Wette
so ein wunderschöner Abend
und die beiden Schnecken machen
sich auf den Nachhauseweg
Ach sie ziehn in tiefer Rührung,
ziehen überselig ab
Da sie allerhand getrunken
schwanken sie ein ganz klein bißchen
aber oben an dem Himmel
gibt der Mond schon auf sie acht.Jacques Prévert

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