Willkommen in der Realität

„Willkommen in der Realität“ sagte ich heute zu meinem Ex. Endlich  haben wir eine Wohnung für ihn gefunden. Sie ist einfach und klein, aber er wollte nicht mehr zahlen und hatte unrealistische Vorstellungen was man dafür bekommen kann. Nun nörgelt er, hat sich selbst aber überhaupt nie bemüht. Ich habe auf so viele Inserate geschrieben, mit so vielen Vermietern telefoniert,  Besichtigungstermine vereinbart und zum Dank höre ich nun nur Kritik an der Wohnung. Er ist Ausländer und ich habe gespürt, dass es da Ressentiments gab, auch wenn es nicht zugegeben wurde. Da wurden Bürgschaften von mir erwartet, Einblicke in private Dokumente verlangt und das ging weit über das hinaus was üblich ist und es war eindeutig aufgrund seiner Nationalität. Nun gibt es endlich ein Chance und er erkennt nicht, dass er froh darüber sein sollte. Man kommt ihm ohne Vorurteile entgegen und er stellt noch unberechtigte Forderungen  Hoffentlich kann ich das auffangen.

Dankbarkeit hatte ich ja schon gar nicht mehr erwartetet, aber wenigstens Respekt davor, dass ich mich so bemüht habe, obwohl es nicht meine Aufgabe war. Nun muss er lernen dass er nicht mehr so bequem leben kann. Ich war seine Übersetzerin, Integrationsbeauftragte und Vermittlerin. Leider bemühte er sich immer weniger  sich selbst zu informieren und weigerte sich auch immer mehr überhaupt Ratschläge anzunehmen. Es kostete mich unendlich viel Kraft das noch auszuhalten. Seit neun Monaten weiß er, dass ich mich trennen will, aber er ignorierte es einfach  total.

Am Mittwoch kann er nun den Mietvertrag unterschreiben und ich hoffe inständig, dass er das auch tut und endlich auszieht. Er ist nun so viele Jahre hier und ist doch nicht angekommen. So schwierig ist es teilweise mit der Integration und den zu großen Träumen, die sich nicht so einfach verwirklichen lassen.

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37 Gedanken zu “Willkommen in der Realität

    1. Ich denke auch, dass es Angst ist, aber nie im Leben würde er das zugeben. Bei ihm kommen aber auch Selbstüberschätzung und eine gute Portion Sturheit dazu. Er hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert, am Anfang unserer Beziehung war er ein anderer Mensch. Das erstaunt mich immer wieder.

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  1. Die Entwurzelung , das Einpassen in andere Normen ,Wertvorstellungen ist für diese Menschen oft schwerer, als wir uns das vorstellen.Die Hilfsbereitschaft die man ihnen angedeihen lässt ,lähmt sie ,motiviert sie nicht zu eigenem Tun und das Herummäkeln ist der Unwille selbstverantwortlich zu werden , ist auch Angst. Ich wünsche mir für ihn und Dich ,dass er allein seinen Weg findet und Du aufatmen kannst. Lieber Gruß an Dich die kleine Skulptur berührt.

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    1. Ich habe versehentlich weiter oben geantwortet. Du beschreibst die Problematik sehr gut, aber es haben bei ihm eben auch Persönlichkeitsveränderungen stattgefunden, die mich oft völlig ratlos machen. Dankeschön für deine lieben Wünsche, Die kleine Skulptur stammt aus dem Park unserer psychiatrischen Klinik hier und ich fand sie sehr passend für die Situation. Liebe Grüße Sylvia

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  2. Es ist nicht immer leicht, den eigenen Verantwortungsbereich zu erkennen und sich von Verantwortungen anderer abzugrenzen. Besonders schwer ist das in emotionsbegründeten Beziehungen.
    Die Hilfe die man anderen in solchen Beziehungen angedeihen lässt, führt sehr häufig nicht zu einer Selbstermächtigung und zur Eigenverantwortung und damit zu einer persönlichen Entwicktung, sondern zum genauen Gegenteil. Das empfinden wir dann als Persönlichkeitsveränderung. In Wirklichkeit spiegelt uns das aber etwas in uns selbst.

    Es ist wie mit der liebenden Mutter, die ihrem drogenabhänigen Kind immer wieder hilft Drogen zu beschaffen und darauf hofft, dass ihr Kind den totbringenden Kreislauf aus Drogenkonsum und Drogenbeschaffung durchbrechen wird.
    Erst wenn die Mutter die Härte gegen sich selbst aufbringt die Verantwortung für die Handlungen ihres Kindes nicht mehr zu übernehmen, besteht die Chance, dass das Kind einen ernsthaften Drogenenzug angeht.

    Ich wünsche dir einen positiven Ausgang der Geschichte…

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    1. Das stimmt schon auch. Aber wenn ich nicht reagiert hätte, hätte er inzwischen Schulden bis über beide Ohren und seine Arbeit verloren. Dann wäre die Chance für ihn eine Wohnung zu finden gleich Null gewesen. Also habe ich oft auch aus Selbstschutz gehandelt. Dankeschön für die guten Wünsche. Es sieht jetzt so aus, dass er unterschreibt. Aber aufatmen kann ich erst, wenn er das getan hat und wirklich umzieht.

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      1. Da gebe ich dir in soweit Recht, dass man das was man da angefangen hat zu einem definierten Abschluss führen sollte. Das ist man seiner eigenen Verlässlichkeit oft schuldig, auch wenn man unterwegs erkennt, dass der eingeschlagene Weg nicht der optimale war, oder ist.

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    1. Da hast du natürlich recht, darum habe ich auch keinen mehr erwartet. Ich erhoffte nur noch einen respektvollen Umgang miteinander und selbst das klappt nicht mehr von seiner Seite. Heute bestätigte er mir den morgigen Termin, die Chance scheint groß zu sein, dass es ein Ende gibt.

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      1. Mir ist nicht ganz klar ob das bei ihm Liebesgefühle gewesen sind, irgendwann wurde das Gefühl bei mir immer stärker, dass er nicht so richtig liebesfähig ist. Das kann an Kindheitserlebnissen liegen, denn durch seine Erzählungen entstand mein Verdacht und erklärte mir manche seltsame Verhaltensweise.

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      2. Ich habe alles organisiert, das hast du richtig verstanden. Aber am Anfang sah ich Empathie bei ihm, später wurde das immer weniger, es schien als sei es angelernt aber dass es nicht von Herzen kommt. Er kann vermutlich nichts dafür, aber ich kann damit nicht leben.

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    1. Ich zittere noch ob er unterschreibt, aber es sieht so aus, als hätte er erkannt, dass er keine Wahl hat. Du glaubst nicht wie erleichtert ich bin wenn das vorbei ist, ich stand nur noch unter Strom. Wenn alles vorbei ist, dann gibt es eine Party !

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  3. Ich kann mir gut vorstellen was Du erlebt hast. Ich versuche Wohnungen für meine Flüchtlinge zu finden. Die Ausreden sind haarsträubend und oft fast beleidigend. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es Vermieter gibt die anderen Menschen eine Chance geben.
    Ich bewundere Dein Durchhaltevermögen! Ich hätte es niemals so lange ausgehalten. Wieso benehmen sich die Männer wie kleine Kinder? Bockig, sturköpfig und sie können ein Problem wunderbar lange aussitzen 😦
    Ich drücke die Daumen!!!

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