Landnahme

Landnahme

Ins Weideland kam ich,

als es schon Nacht war,

in den Wiesen die Narben witternd

und den Wind, eh er sich regte.

Die Liebe graste nicht mehr,

die Glocken waren verhallt

und die Büschel verhärmt.

Ein Horn stak im Land,

vom Leittier verrammt,

ins Dunkel gerammt.

Aus der Erde zog ich’s,

zum Himmel hob ich’s

mit ganzer Kraft.

Um dieses Land mit Klängen

ganz zu erfüllen,

stieß ich ins Horn,

willens im kommenden Wind

und unter wehenden Halmen

jeder Herkunft zu leben !

Ingeborg Bachmann

Fotos: Sylvia Waldfrau

 

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8 Gedanken zu “Landnahme

  1. Sie hat dieses Land mit Klängen erfüllt bis zu ihrem tragischen Tod. Eine geniale stimmige Fotobegleitung hast Du zu diesem Text gefunden; die bildliche Umsetzung der Zeilen.
    Dir einen liebem Gruß vom Dach, Karin

    Gefällt 4 Personen

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