Irland Erinnerung

Meine Tochter hat mich zu einer Erinnerungsreise eingeladen. Nach dem sie meine Berichte über Irland in meinem Blog verfolgte, meinte sie, dies sei ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und so waren wir, bevor ich krank wurde, in der Vorstellung von Rhythme and Dance:

Ryhthme

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Es war auch ein sehr schönes, stimmungsvolles Erlebnis und ich konnte einige Songs hören, die mich sehr an meine Zeit in Irland erinnerten. Und so fiel mir auf der Heimfahrt ein, wie wir in unserem Örtchen Eyeries einmal im Ballroom eine Tanzveranstaltung erlebten.

Der Baalsaal war altmodisch, verstaubt und wenig einladend. Alte Dielenbretter, wenige hochgelegene Fenster, schmucklos in braunen Tönen gehaltene Bretterwände. Am Ende des Saals gab es eine alte Holzbühne für die Musiker. Links und rechts entlang den Wänden waren lange Bänke aufgestellt. Ansonsten war der Raum eher kahl.

Aber die jungen Leute kamen voller Begeisterung und der Saal fühlte sich schnell.  Und nun staunten wir nicht schlecht, denn die Mädchen reihten sich alle links auf, während alle jungen Männer sich gegenüber auf die Bänke rechts niederließen und dadurch hatten sie die ganze Weite des Ballraums dazwischen. Die Band fing an zu spielen. Auf einmal rannten die Jungs los, durchstürmten den Saal um schnellstens als Erster bei ihrer Angebeteten zu sein und los ging das Tanzen. Damals wurde wirklich viel so ein Tanzstil wie bei der Vorführung getanzt. Wir fanden dieses Tanzen steif und fremd und  wir versuchten es dann natürlich auch und stellten fest, dass es ganz schön schwer ist. Gute Steptänzer gab es wenige, aber die stocksteife Haltung hatten alle im Repertoire. Das folgende Beispiel zeigt, dass auch die alten Leute noch so tanzen. (Bitte nicht lachen, es ist schon etwas kurios)

Nur einige wenige Mauerblümchen saßen dann noch einsam auf den Bänken. Ich fand das furchtbar für die Übriggebliebenen, die ganz offensichtlich unbehaglich versuchten tapfer und nicht traurig auszusehen. Auch ein paar schüchterne Jungs saßen einsam auf den Bänken und trauten sich nicht ein Mädchen aufzufordern. Es war für uns wie ein Ausflug in die Vergangenheit.

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Reisen in Irland

Zum Abschluß meiner Erinnerungsreisen Irland möchte ich noch ein paar Reisen für das südliche Irland empfehlen die sich für Besucher lohnen.

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Der Ring of Kerry hat atemberaubende Ausblicke auf die Küste. Die Rundfahrt um den Ring Of Kerry beginnt in Killarney. Kaum hat man den Ort verlassen, schlängelt sich die Straße durch dichte Wälder entlang der großen Seen des Killarney National Parks hinauf zum Moll’s Gap. Unterwegs lohnt ein Halt am Aussichtspunkt Ladies View, von wo aus man das Seengebiet bei Killarney überblicken kann. Der erste Ort auf der Strecke ist Kenmare, ein Marktflecken auf dem es im Vergleich zu Killarney etwas beschaulicher zugeht. Das malerische Örtchen liegt in der geschützten Kenmare Bay  und ist ein idealer Ausgangspunkt für Besucher, die sowohl den Ring of Kerry als auch den Ring of Beara befahren möchten.

Ich persönlich mag  allerdings den „Ring of Beara“ mehr. Er ist wilder und weniger touristisch überlaufen:

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Steile, zerklüftete Klippen, tiefe Schäreneinschnitte und sanft ansteigende Wiesen sowie Steinmauern und Hecken bestimmen die Landschaft.  Die Beara Halbinsel ist wohl die wildeste und romantischste der fünf Halbinseln im Südwesten Irlands. Der Ring of Beara führt von Kenmare bzw. Glengariff durch die wunderschöne, naturbelassene Landschaft der Beara Halbinsel. Sobald Sie sich etwas von der Küste entfernen, geht es stehts bergauf zum Beispiel über den spektakulären Healy Pass, der auf 300 Höhenmetern über die bis zu 685 Meter hohen Caha Mountains führt und unvergessliche Ausblicke bietet.

Healy Pass Irland

Sehr unscheinbar am Rande des Ring of Beara liegt Derreen Garden. Der Park liegt größtenteils im Wald, und vor allem die vielen einheimischen und exotischen Bäume beeindrucken uns. Besonders interessante Exemplare sind ausgeschildert, und mit unserem Führer in der Hand entdecken wir diverse Pflanzenarten, die wir noch nie gesehen hatten.

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Derreen Garden.2

Dem Waldstück neben dem Park ist mein letzter Beitrag „Eine Reise lang zuvor“ gewidmet.

Elfenwald

Sehenswertes sind Kenmare ebenso wie der Ort Eyeries, dem wohl buntesten Dorf Irlands nahe des Kenmare Rivers. Hier ist jedes Haus in einer anderen knallbunten Farbe gestrichen, was einen reizvollen Kontrast zum felsig-kargen Landschaftsbild um den Ort herum ergibt. Zu den historischen Ausflugszielen der Halbinsel gehören ein imposanter Steinkreis in Ardgroom sowie in Castletownbere die Ruinen von Dunboy Castle und Puxley Castle.

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Eyeries, wo auch unser damalige Haus steht.

Dunboy Castle:

Dunboy

Bei Allihies an der Westküste der Halbinsel finden Sie nicht nur einen schönen Sandstrand in herrlicher Szenerie, sondern man kann auch das Kupferminen Museum besuchen. Früher konnte man in die Stollen der Mine einsteigen. Das war gefährlich, aber wir haben es gewagt und wurden mit spektakulären Seen und Höhlen in kupfergrünen Tönen belohnt. Inzwischen sind sie gesperrt.

Allihies

 

Eine Reise lang zuvor

Fotos: Sylvia Waldfrau

 

 

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Klänge von Musik eröffnen den Traum, die Reise in den Kopf. Türen öffnen sich wieder, Erinnerungen tauchen auf, sanft und leise. Alles erscheint wieder gewaltig vor dem inneren Auge, der Weg ist hell und klar.

Das Meer rauscht leiser werdend bei jedem Schritt ins sanfte Grün des Schattens, vorbei geht es bedächtig an den weisen alten Bäumen mit ihrer zerknitterten Haut, ihrer zersausten Wildheit und dem samtenen Moos zu ihren Füßen. Ein Märchenreich. Im Licht und Schatten scheinen die Feen und ihre Königin zu schweben. Die bemoosten Steine sind ihr Garten, die Baumwipfel ihr Schloss. Wie Dome ragen die Wipfel in den Himmel mit ihren gewaltigen Kronen voller Geheimnisse. Wie Säulen von Tempeln strecken sich die Äste in den Himmel. Tempel zu Ehren der Schöpfung.

Weiter langsam und bedächtig. Lautlos der Schritt, versinkend im Moos. Da, der Bach erglitzert weich im Lichtspiel der brechenden Sonnenstrahlen. Leise plätschert er vor sich hin, Geschichten erzählend von der weiten Reise, von der klaren Luft der Berge, dem sanften Wiegen des Moorgras, von peitschendem Wind und rauschenden Fall, vom kühlen Schatten der Wälder und vom monotonen Rauschen des Regens, von der reglos erstickenden Stille des Nebels. Uralt und doch immer neu klingt die Weise des Baches die er singt.

Die bemoosten Steine lauschen unendlich geduldig, die, die manchmal einen kleinen Teil, einen Sandkorn mit auf die Reise geben, zu fernen Stränden, zum Meer. Der Farn neigt seine zarten Spitzen, erzittert im leichten Wind, lauscht auch geduldig dem Plätschern. Ergeben und doch voller Kraft neigt sich das satte Grün zum Wasser und zum Licht.

Jede Sekunde ist voller Macht, eine stille unendlich sanfte Macht. Der ewige Kreislauf. Es nimmt die Angst vor dem Sterben. Was kann es Schöneres geben als Teil dieses Kreislaufs zu sein und auf die Reise zu gehen.  Teil dieser satten dunklen Erde zu sein, durch die Wurzeln dieser Dome emporzustreben, im hellen grün der Blätter über die wogende Weite zu sehen, Schatten zu spenden und Kühle, sanft im Festgewand aller Farben hinab zu schweben, vom Wind getragen zu werden., auf den Wirbeln im Wasser zu reiten, zu tanzen zu diesen Klängen, einzutauchen in das klare kühle Wasser, zart verblassend zu Erdfarben werdend, mitgetragen von Millionen glitzernden Tropfen, weich dahinschwebend an einen neuen Ort. Nahrung zu sein, Teil des ewigen Kreislaufs. Staub zu sein im Universum.

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Fotos: Sylvia Waldfrau

Irlandreise II Zwei Welten

Zur „Flead Cheoil na hEireann“ in Letterkenny  mussten wir durch Nordirland fahren. Flead Cheoil ist ein Musikwettbewerb irischer Musiker und Sänger und findet jedes Jahr im August in verschiedenen Städten und Counties statt. Es ist das größte Musikfestival Irlands und die Teilnehmer kommen aus aller Welt um teilzunehmen. Für Musikliebhaber eine wundervolle Chance die ganze Bandbreite irischer Musik kennen zu lernen. Aber da wir im Südwesten wohnten mußten wir ganz Irland durchqueren um nach Donegal zu gelangen. Die kürzeste Route führte durch Nordirland. Um Zeit zu sparen nahmen wir diese, was wir aber dann später bereuten.

Gleich nach der schwer bewachten Grenze zu Nordirland lag ein ausgebrannter Jeep am Straßenrand und uns war schlagartig klar, dass wir uns auf Kriegsgebiet befanden. Überall englisches Militär, Betonsperren, Stacheldraht und Straßensperren, geteilte Stadtviertel und triste Straßen, mit wenigen Menschen. Zu dieser Zeit war der Konflikt noch voll zugange und es gab auch noch jede Menge Straßenkämpfe und Bombenanschläge. Hier ein Musikvidio, dass die Situation in Nordirland drastisch zeigt:

Das dunkle Kapitel Irlands wurde uns bildhaft vorgeführt. Die Atmosphäre ließ uns erstarren. Ständige Kontrollen von schwer bewaffnetem Militär taten das Übrige dazu, dass wir uns sehr unbehaglich fühlten. So fuhren wir ohne Zwischenstop Richtung Norden und Erleichterung kam erst hoch als wir die Grenze nach Donegal überquerten.

Nach der schrecklichen Fahrt durch Ulster konnte der Gegensatz nicht krasser sein. Letterkenny empfing uns fröhlich und mit Musikern aus aller Welt.

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Die Stadt war voller Leben, Straßenmusiker an allen Ecken und in allen Pubs gab es Live-Musik. Zehn Tage irische Musik pur. Es ist erstaunlich wie lebendig die alten Lieder immer noch geblieben sind. Und alle können die oft ellenlangen Texte auswendig.

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In allen öffentlichen Gebäuden finden die Wettbewerbe statt. Wir konnten uns nur schwer entscheiden, was wir uns anschauen beziehungsweise anhören wollten.

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Die irischen Harfenmusik hat es uns zuerst angetan. Wundervolle Harfen, zauberhafte Klänge, wir waren begeistert.

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So verbrachten wir einige Tage im Festivalrausch und versuchten alle Compitions zu besuchen. Besonders beeindruckt waren wir vom Gesang und dem Lilting. Einiges, wie warpipes und whistling wirkte etwas kurios auf uns. Man erzählte uns, dass die Bevölkerung früher oft zu arm für Instrumente war und so wurde viel improvisiert.

Selbst ganz junge Leute nahmen daran teil. Überall spielten Bands in und außerhalb der Kneipen. Die alten Balladen sind natürlich am beliebtesten:

Wir trafen viele junge Menschen aus aller Welt. Auf einer großen Wiese war ein Parkplatz angelegt, dort standen Zelte und wir mitten drin mit unserem VW-Bus. Auch da wurden wir abends in den Schlaf gesungen. Es war ein sehr schönes Erlebnis. Das Musikfestival ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Reisen in Irland Teil I

Zur Einstimmung hier etwas gälische Musik:

 

GLENDALOUGH

Der Grund, warum Glendalough die Seele berührt, ist die Lage im Herzen des Wicklow Mountains National Park und die Mystik des Ortes. Zentrum und Blickfang ist der über 30m hohe Rundturm. 600 Jahre lang stand die Anlage, in seiner Blüte. Danach kamen die Engländer und zerstörten sie grösstenteils. Übrig blieben, neben dem Rundturm, nur noch wenige Grabmale und frühchristliche Ruinen. Einst sollen bis zu 3.000 Menschen die Stadt bevölkert haben. Sieben Kirchen wurden gebaut. Vornehmlich Gelehrte und Mönche liessen sich zwischen den zwei Seen nieder und lehrten nach den Grundsätzen der iroschottischen Kirche.

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Eines unserer schönsten Erlebnisse auf unseren Reisen mit dem VW Bus durch Irland war unser Besuch von Glendalough. Damals durfte man noch überall mit dem Bus übernachten und es war keine Touristenzeit, so dass alles einsam und verwunschen vor uns lag. Wir kamen abends an und sofort nahm uns dieser romantische Ort in seinen Bann. In Stille und bewegt wandelten wir durch die Ruinen, versuchten Inschriften auf verfallenen Grabsteinen zu lesen und staunten über die dicken Steinmauern der Gebäude.

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Hinter uns die Ruinen und vor uns den nahen stillen See, so waren wir umgeben von Geschichte. Der heilige Kevin zog sich hier einst zurück und daraus entwickelte sich dann eine Klosteranlage. Neben dem Rundturm, einer Kapelle, dem Friedhof und den diversen Ruinen gibt es auch ein Keltenkreuz St. Kevin’s Cross ist eigentlich ein typisches Hochkreuz, es fehlen aber die Ornamente und es enthält keine bildliche Darstellung der biblischen Geschichte. Man denkt, dass das Kreuz bemalt war diese im Laufe der Zeit aber wegerodierte.

Es war ein sehr ruhiger Abend, mein Partner sang ein paar gälische Lieder und dann war es sehr still in dieser Nacht am See. Wir schliefen dort wunderbar tief und traumlos. Kein Geist aus uralten Zeiten störte unseren Schlaf.

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Glen

Morgens stiegen die Nebel aus dem See und neben den halb umgefallenen Grabsteinen, mit Blick auf den unbewegten See, tranken wir schweigend und ehrfurchtsvoll unseren Tee in mystischer Atmosphäre. Romantik pur.

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Ein wundervoller Ort den man unbedingt bei einem Irlandbesuch aufsuchen sollte.

 

 

Ein Haus in Irland

Vorab: ein paar Fotos sind Kopien und sehr alt und haben deshalb einen antiken Touch  🙂

Auf einer unserer Fahrten entlang des Ring of Beara mit unserem VW Bus entdeckten wir, als wir einen Schlafplatz suchten und uns, auf einem schmalen Weg Richtung Meer, zwischen den hohen Fuchsienhecken durchzwängten ein altes, leerstehendes Haus.P1060498

Wie im Dornröschenschlaf war der Eingang zugewuchert und der Garten verwildert. Wir traten durch das verfallene Türchen in den Vorgarten und wurden von einem atemberaubenden Blick auf das Meer überrascht. Die Lage war wunderbar, das Haus etwas marode, aber keine Ruine. Unser Interesse war geweckt, denn es war unser Traum ein Haus in Irland zu haben. Mein Freund, als Musiker, trat oft in Irland auf und wir suchten deshalb dort ein zweites Domizil.Eyeries.5

Im oberhalb liegenden Dorf Eyeries erkundigten wir uns wem das Haus gehört und erfuhren, dass es vor Jahren ein Hamburger wohl auf Grund eines Fotos gekauft hatte, einmal kam und danach nie wieder gesehen wurde. Den Namen kannte niemand, nur der Notar wurde uns genannt, der den Kauf abgewickelt hatte. Es war eine Sisyphusarbeit den Besitzer herauszufinden. Der war beim Anblick des Hauses wohl so geschockt gewesen, dass er froh war, die „Hütte“ wie er sie nannte, loszuwerden. Und so wurden wir stolze Besitzer eines Hauses an der Westküste von Irland. So sah das Haus vor der Renovierung aus:P1060497

Das Dorf Eyeries war klein, hatte nur eine Kirche, eine Tankstelle, einen kleinen Lebensmittelladen, aber natürlich drei Pubs. Patricks Pub (jeder dritte dort heißt Patrick) wurde unsere Stammkneipe, dort lernten wir die dann die meisten Einwohner kennen und schlossen einige Freundschaften.Patricks Pub.Eyeries

Manchen Abend sangen wir dort mit den Iren zusammen lange Balladen am offenen Kamin. A pint of Guiness oder ein Glas mit einem guten irischen Whiskey in der Hand wurden wir in die Dorfgeschichten eingeweiht. Ein 80jähriger, fast ohne Zähne,  nuschelte mir damals dort einen Heiratsantrag ins Ohr. „Slàinte“ erwiderte ich nur und lachte.

Das Haus auszubauen war viel Arbeit und die Beschaffung von Material abenteuerlich. Wir deutschen Standard gewohnt, hatten genaue Vorstellungen. Die Iren staunten, wenn wir Material suchten oder schüttelten den Kopf. Doppelglasfenster, was ist das? Bodenisolierung??? Braucht man das? Unsere Wasserleitung wurde überirdisch über die Schafs- und Kuhweiden gelegt. Kam kein Wasser, dann war eine Kuh darauf getreten. Durch den Golfstrom ist der Winter mild und ohne Bodenfrost . Trotzdem schachteten wir den Boden im Haus etwas aus, da es wegen dem felsigem Untergrund keine Keller gibt, und  bestellten Kies. Die Männer des Dorfes kamen täglich und wollten das deutsche Bauwunder erklärt haben. Unser zwei auf vier Meter großes Panoramafenster wurde aus Dublin angeliefert und der Lkw brauchte eine Stunde nur vom Dorf zum Haus und zurück. Rückwärts musste er sich seinen Weg zurückbahnen. Leider war dann das Doppelglasfenster undicht und so holten sie es im nächsten Frühjahr wieder ab und lieferten ein neues. Wir waren Gesprächsstoff Nummer Eins im Dorf. Das Dach wurde abgedeckt, neue Ziegel sollten verlegt werden. In dieser Nacht gab es Sturm, der Regen fiel wie ein Wasserfall und unsere Plastikplane über dem Dach bekam Löcher. Eine Nacht lang stellten wir Wannen und Schüsseln auf und leerten sie alle Stunden. Als später die Ziegel ausgingen, da hieß es im Baustoffhandel in Castletownbere, dass es zwei Monate ginge bis sie neue hätten. Also bestellten wir diese auch in Dublin und erneut quälte sich ein Lkw über unseren engen, holperigen Weg zum Haus.

 

Lovely weather, isn’t it? wurden wir immer überall im Dorf begrüßt und dann frug man nach dem Baufortschritt. Unser gelber VW-Bus war auch nicht zu übersehen und waren wir damit unterwegs, nickten sie uns mit einem kurzen Kopfrücken nach links zu. Am Anfang konnte ich diese Bewegung nicht einordnen, aber da es alle taten, fingen wir an das auch zu üben. Das war ihr Gruß. Öfters hielt uns auch jemand an. Einmal streckte uns ein wirklich alter Mann seinen Stock in den Weg und ließ sich mitnehmen. Nach 500m holten wir seine Schafherde ein, da stieg er wieder aus und trieb sie weiter. Sein Geruch hing noch eine Weile im Auto. Lovely smell, isn’t it? scherzten wir und rissen die Fenster auf.

Als dann am Haus endlich alles fertiggestellt war, fing die erholsame Zeit an und wir genossen jeden Tag in unserer zweiten Heimat. Viele Jahre verbrachten wir dort, manchmal mehrere Monate am Stück und fanden viele gute Freunde. Leider gibt es vom fertigen Haus nur Dias, es war ein Schmuckstück geworden.

Es gibt da noch die ein oder andere Geschichte aus dieser Zeit zu erzählen……….

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Blick aus unserem Panoramafenster aufs Meer. Morgens weckte uns häufig das Blöken der Schafe und jeden Abend sahen wir einen spektakulären Sonnenuntergang. Sonnenuntergang.1

 

Wie wir zu Dudelsackimporteuren wurden

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Mein ehemaliger Lebensgefährte, Journalist und Musiker, war immer auf der Suche nach Stories und Instrumenten rund um die Musik. So organisierte er eine Privatvorführung im Uilleann-Pipes Museum in Dublin. Ein zerknitterter alter Herr führte uns spät abends durch die Räumlichkeiten und spielte uns Reels und Jigs auf den Pipes vor. Die Töne füllten die leeren Räume und verursachten Gänsehaut. Mit typisch irischem Akzent erklärte er uns die Technik und wir durften auch versuchen ein paar Töne zu entlocken. Es ist schwer mit einem Arm die Luft in den Sack zu pumpen und gleichzeitig mit beiden Händen die Flöte zu spielen. Wir hatten viel Spaß trotz aller Missklänge.

So eingestimmt, schlenderten wir danach durch Dublin auf der Suche nach einem Pub mit Livemusik. Im Schaufenster eines kleinen, versteckten Secondhand -Musikgeschäft entdeckten wir eine edle Querflöte aus Ebenholz die uns sofort faszinierte. Am nächsten Morgen standen wir natürlich früh in diesem Lädchen und hielten die wundervolle Flöte in unseren Händen. Im mit Samt ausgelegten Kästchen stand: Camac, Mouzeil. Der Inhaber wusste aber nicht viel über die Herkunft. Ohne lange zu zögern gingen wir zum nächsten Telefon in einem Pub. Damals waren da noch Münzautomaten. Man rief die Vermittlung an und die sagte dann wie viele “coins” man einwerfen musste. Mouzeil, dachten wir uns müsse in Frankreich liegen. Wir wurden verbunden und ich höre noch heute das klong, klong der vielen fallenden Münzen.Uns schwebte ein Baskenmützen tragender Franzose in einer kleinen dunklen Werkstatt vor und wir waren neugierig auf ihn und seine Flöten. Also baten wir um die Adresse und falls vorhanden, um einen Prospekt.

Einige Zeit später und zurück in Deutschland traf ein Päckchen bei uns ein. Darin lag ein dicker Ordner. Das war eine wie Wundertüte für Musiker. Da gab es Instrumente für Folkmusiker aus aller Welt. Gerade da gab es einen Boom in der Folkmusiksszene und mein Partner, der selbst irische Musik in einer Band spielte, erkannte sofort diesen Schatz. Es gab auch für die Mittelaltersszene Instrumente wie Dudelsäcke und alte Lauten. Ein Griff zum Telefon war das nächste und wir kündigten unseren Besuch in der Bretagne an. Dort angekommen fanden wir eine sehr große  Firma vor. Mit staunenden Augen bewunderten wir in den Fertigungshallen voller prachtvoller Harfen, Dudelsäcken, keltischen Trommeln und vielfältigen Sorten von Flöten. Nach einem Gespräch bei gutem Essen mit den Chefs wurden wir für viele Jahre erfolgreiche Importeure für all diese Schätze. Und das Alles nur wegen einer ebenhölzernen Querflöte aus einem kleinen verstaubten Laden in Dublin.

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