Zwei Gesichter

Foto: Serge Lutens

Eingehüllt in Resignation war ich sprachlos geworden. Die Stille war eine trügerische, denn in mir brodelte es. Ich fühlte nur eine große Unzufriedenheit, die ich nicht genau benennen konnte.  Ein war ein nur scheinbar gelassenes Abwarten und auf ein nahes Ende Hoffen.

Heute mit einer Explosion, ausgelöst durch ein paar dumme Worte, platzte die Stille und ein Wortschwall voller Zorn sprudelte heraus. Ich las einmal: „Stehst du am Abgrund dann siehst du tief und weit“. Dieses Gefühl hatte ich, ich sah all das Verborgene und Tiefverschüttete in mir und der Blick nach vorn in die Weite erschien so hoffnungslos. Der Frust der letzten Monate kam ungebremst an die Oberfläche. Steh hinter dir, wenn du von vorn angegriffen wirst, heißt ein Spruch. Ich stand nicht hinter mir, ich stand weit, weit vor mir, exponiert, kämpferisch und voller Wut.

So hat man zwei Gesichter und ab und an kann man beide erkennen und muss sich eingestehen, dass man nicht immer friedliebend und ausgleichend ist, sondern eben auch eine verbal böse Seite hat, wenn man angegriffen wird und sich verteidigen muss. Immerhin ist meine Sprache zurückgekehrt, ich kann wieder ausdrücken was mich bewegt. Adrenalin scheint meinem Hirn gut zu tun, was nicht bedeutet, dass ich solche Situationen häufiger erleben möchte, denn körperlich ist das verdammt anstrengend.

 

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31 Gedanken zu “Zwei Gesichter

      1. kinder unlimited

        Es bringt dich aber weiter, deine Emotionen sind voruebergehend aussen vor danach ,ich glaube auch, dass du dich danach wieder sachlicher damit auseinandersetzen kannst!

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  1. …Wut ist Energie und Energie kann gelenkt werden…inzwischen genieße ich es auch, wütend werden zu können, früher habe ich mich oft nicht getraut, weil man es mir aberzogen hatte…doch Wut ist wichtig, wenn es darum geht, sich zu verteidigen…

    Gefällt 2 Personen

      1. Wenn die ohnmächtige Wut verraucht ist, findest Du vielleicht einen Weg zu mehr Gelassenheit, denn solche Situationen mit dem Finanziellen und anderen Dingen kommen wahrscheinlich immer wieder und Du wirst mit Deiner Ohnmacht konfrontiert.
        Wenn Du es finanziell auch alleine schaffst, dann mach Dich frei von Erwartungen, denn Du wirst ihn wahrscheinlich nicht mehr ändern. Aber ich kenne Deine Situation nicht und möchte hier keine wohlfeilen Ratschläge geben.
        Wenn ich Wut und Zorn habe, schmeiße ich in Gedanken einen Pudding an die Wand -:))) aber nur im Geiste, denn Wand und Pudding täten mir leid -:)))
        Ich wünsche mir, daß es Dir inzwischen wieder besser geht.
        Mit lieben Grüßen Karin

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      2. Vielen Dank für deine lieben Worte, Karin. Ich will dass er auszieht, er will die Wohnung auch gar nicht, sucht sich aber auch keine eigens. Es geht heute etwas besser, aber das Kopfkino kann ich noch nicht ausschalten, denn es sieht danach aus, dass dieser Konflikt noch lange dauern wird.

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  2. Du befindest dich in einer Ausnahmesituation und da sind Wutausbrüche und sonstige legitim, finde ich. Ich wünsche dir sehr, dass deine Situation bald eine andere wird, denn ich kann sehr gut mit dir fühlen.

    Ganz liebe Grüsse, ich denke an dich.

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  3. Ach, es macht ja nichts, wir dürfen alles und jede/r sein, uns ausprobieren – und oft brauchen wir dafür einfach das Gegenüber. Die helfen, das Tiefste aus uns herauszuholen, weiß es doch so gut sich zu verstecken … „Im Rückblick werden alle Straßen gerade“, sagte kürzlich jemand zu mir und heute geb ich es an Dich weiter …

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